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Park der Klinik Meissenberg

Wo über 6000 Osterglocken blühen

Die Parkanlage der Klinik Meissenberg ist vieles gleichzeitig: Kraftort für die Mitarbeitenden, Freiluft-Therapieraum für die Patientinnen und schützenswertes Gartendenkmal. Zuständig dafür sind die beiden Gärtner Simon Blum und Mexhid Hetemi.

Blühende Osterglocken auf einer Wiese vor der Klinik Meissenberg in Zug.

Fragt man die Mitarbeitenden der Klinik Meissenberg, was sie an ihrem Arbeitsort besonders schätzen, kommen sie sehr schnell auf den Garten zu sprechen. Hier kommt «Ferienstimmung mitten im Arbeitsalltag» auf, man kann «die Gedanken ordnen» und findet «Ruhe für die eigene Selbstfürsorge». Die alten und majestätischen Bäume, die üppige Blumenpracht und der unvergleichliche Blick über den Zugersee und in die Alpen schaffen eine einzigartige Atmosphäre.

Zugleich spielt der Park auch in der Arbeit mit den Patientinnen eine wichtige Rolle, denn «in dieser natürlichen Umgebung fällt es den Patientinnen oft leichter, sich in Gesprächen zu öffnen». Auch einzelne Bewegungstherapien wie Yoga, Pilates oder Tanzen werden unter freiem Himmel angeboten. Wer es gemütlicher mag, kann die Natur auf den ausgedehnten Spaziergängen erkunden. Die zahlreichen Sitzplätzchen und Nischen dienen als beliebte Rückzugsorte. 

Gärtner Simon Blum wählt die Blumen so aus, damit das ganze Jahr über Farben zu sehen sind.

Das ganze Jahr über sind im Garten der Klinik Meissenberg Farben zu sehen.

Aus Fachkreisen wird der Garten ebenfalls gelobt. So kommt ein «Gartendenkmal-pflegerisches Gutachten» zum Schluss: «Die von zwei ausgebildeten Gärtnern unterhaltene Anlage präsentiert sich überdurchschnittlich gut gepflegt.» Da stellt sich gleich die Anschlussfrage: Wer sind diese zwei Gärtner? 

Wenn Leidenschaft Wurzeln schlägt

Simon Blum heisst einer der beiden Männer, welche die Parkanlage in Schuss halten. Er ist bereits seit 21 Jahren für die Klinik Meissenberg tätig, vor acht Jahren stiess sein Kollege Mexhid Hetemi dazu. Zusammen kümmern sie sich um sämtliche Arbeiten, die im rund 15'000 Quadratmeter grossen Park – das entspricht über zwei Fussballfeldern – anfallen. Langweilig werde es ihnen dabei nie.  «Jetzt im Frühling sind gerade die Arbeiten an den Rabatten aktuell – also jäten, auflockern, düngen», erklärt Blum. Der erste Schnitt des Rasens ist ebenfalls schon erledigt.

Blüten inspizieren, Blumen schneiden, Wege ausbessern – Langeweile ist für die Meissenberg-Gärner ein Fremdwort.

Blüten inspizieren, Blumen schneiden, Wege ausbessern: Langeweile ist für die Meissenberg-Gärner ein Fremdwort.

Das zentrale Anliegen von Simon Blum ist, dass die Blumen und Pflanzen so ausgewählt werden, dass das ganze Jahr über Farben zu sehen sind. «Das sieht nicht nur fürs Auge gut aus, sondern tut auch der Seele gut.» Und dies passe hervorragend zu einer psychiatrischen Klinik.

9000 Krokusse, 6000 Osterglocken

Vieles hat sich im Garten getan, seit Blum 2005 von Langenthal nach Zug kam. «Damals waren beispielsweise fast keine Zwiebelpflanzen vorzufinden. Das habe ich ein wenig geändert», führt der 52-Jährige bescheiden aus. So zurückhaltend seine Worte sind, umso beeindruckender ist das Ergebnis: 9000 Krokusse und 6000 Osterglocken sorgen bereits Ende März für eine eindrückliche Farbenpracht.

Veränderungen liegen sprichwörtlich in der Natur des Gartens. Bei einem Spaziergang durch die Anlage hat Blum zu jeder Pflanze, zu jedem Platz und jeder Ecke eine Geschichte auf Lager. «Hier haben wir die Terrasse mit Natursteinplatten erweitert, damit mehr Tische und Stühle Platz haben», sagt er vor der historischen Villa. Beim Ärztehaus wurde der Zugang verschönert. Und eigentlich überall kommt er auf den Kirschlorbeer zu sprechen. Dieser wucherte einst auf dem gesamten Areal. Wichtig sei bei solchen invasiven Neophyten, dass man sie ausreisse, bevor sie versamen, sagt Blum. Heute ist die eingeschleppte Pflanze nur noch an peripheren Stellen zu finden. Der Kampf ist aber noch lange nicht beendet.

Rotbuche musste weichen

«Und dort», Blum zeigt eigentlich auf den Zugersee hinaus, «musste Mitte März 2026 eine Rotbuche gefällt werden, weil sie von einem Wurzelpilz befallen war.» Im Herbst wird mit einer jüngeren Buche für Ersatz gesorgt, die schon in wenigen Jahren ebenfalls zu stattlicher Grösse komme. «Junge Bäume wachsen schneller als alte», sagt Blum dazu.
 

Rund 100 Jahre alt wurde die Rotbuche. Noch älter ist der Mammutbaum mit rund 150 Jahren.

Rund 100 Jahre alt wurde die Rotbuche. Noch älter ist der Mammutbaum mit rund 150 Jahren.

Rund 100 Jahre alt wurde die mächtige Rotbuche, was sie aber noch lange nicht zum ältesten Zeitzeugen der Anlage machte.  Diese Rolle komme dem Riesenmammutbaum vor dem historischen Haupthaus zu – mit rund 150 Jahren der wahre Methusalem im Park. Er war also schon hier, bevor die Klinik 1926 gegründet wurde. «Aber auch ihm setzt ein Pilz zu. Allerdings hat sich der Baum selbst sehr gut davon erholt und es besteht keine Gefahr, dass er umkippt», gibt Blum Entwarnung. 

Viel Liebe zum Detail

Auf die Frage nach seinem persönlichen Lieblingsort hebt der Gärtner den künstlichen Teich hervor. Nicht nur die Tatsache, dass das Naturstein-Becken ein wahrer Hingucker ist, lässt ihn schwärmen. Blum weiss auch, wie viel Zeit es braucht, damit alles so gepflegt aussieht. «Vor einigen Jahren habe ich eine ganze Woche lang mit einer Diamantschleifmaschine den Kalk von den Steinen entfernt», erzählt er. Während Jahrzehnten – so schätzt er – hatte dies vor ihm niemand getan. Vom Resultat ist nicht nur er angetan, sondern auch Patientinnen und Mitarbeitende, die sehr häufig an diesem Platz anzutreffen sind. Damit das auch länger so bleibt, lässt er in den warmen Jahreszeiten alle drei Wochen das Wasser ab, um das Becken gründlich zu reinigen.

Da man derzeit noch immer mit nächtlichem Frost rechnen muss, ist das Becken beim Rundgang noch leer. Das Wichtigste momentan seien die verschiedenen Vorbereitungen. «Verpasst man den richtigen Zeitpunkt zum Zurückschneiden, Jäten, Düngen oder Anpflanzen, hinkt man das ganze Jahr über hinterher», sagt Blum dazu. Ende März sei es im Garten noch einige Wochen zu früh für eine üppige Blütenpracht. Magnolien und Kirschbäume blühen zwar bereits, die Laubbäume sind aber noch kahl. Im Naturweiher fehlen zudem noch die Seerosen und bei einigen Streifen zwischen Rasen und Gehweg sieht man nur braunes Erdreich. «Hier wird später noch eine Blumenwiese angesät», erklärt er. «Die Arbeit geht uns nie aus», fügt Blum an.

Rehbock, Dachs und Fuchs zu Besuch

Bei den Rosensträuchern bleibt Blum stehen und begutachtet die neuen Triebe. «Manchmal kommt ein Rehbock und nascht davon.» Die zarten und jungen Pflanzenteile würden dem Tier besonders gut schmecken. Noch sieht er aber keine Frassspuren. Auch andere Tiere würden sich auf dem Areal wohlfühlen, berichtet der Gärtner weiter. «Ein Dachs hat sich hier schon heimisch eingerichtet.» Dessen Bau habe später eine Fuchsfamilie übernommen. 

Die grünen Daumen der Gärtner hinterlassen nicht nur im Park positive Spuren. Auch in den Innenräumen legt Blum immer wieder Hand an. «Viele Blumen auf den Tischen in der Cafeteria und der Klinik stammen aus unserem Garten», so Blum. Die Handschrift der Gärtner ist aber auch bei aufwändigeren Blumenarrangements zu erkennen. «Diese Tätigkeiten haben in all den Jahren ebenfalls zugenommen. Die Dekorationen sind eine willkommene Abwechslung zur Arbeit unter freiem Himmel – besonders wenn das Wetter nicht so gut ist», erklärt Blum mit einem Schmunzeln.

Park ist offiziell «eine Perle» 

Dass die Gartenanlage der Klinik Meissenberg ihresgleichen suchen muss, ist auch dem Zuger Stadtrat nicht verborgen geblieben. In seinem Entwicklungskonzept vom Mai 2006 bezeichnet er die Parkanlage sogar ausdrücklich als Schmuckstück, hat er doch den gesamten Meisenberg – neben vier weiteren Standorten – wörtlich als repräsentative «Perle» definiert. Das erklärte Ziel dieser Massnahme: Das Areal soll als landschaftliches Kleinod auch für spätere Generationen «in seinem Charakter und im Erscheinungsbild mit Klinik und Parkanlage erhalten bleiben». Dafür werden Simon Blum und Mexhid Hetemi mit Sicherheit sorgen.
 

Text Alexander Lanner

Fotos Daniel Brühlmann, div.